Weinmarkt: Festauftakt mit Knalleffekten

Mit ohrenbetäubenden Salven aus historischen Vorderladern hat am Freitagabend die Bürgerwehr Bensheim das akustische Signal für den Beginn des 59. Bergsträßer Weinmarktes in Heppenheim ausgelöst. Die in schmucke Uniformen gewandeten Gardisten hatten sich mit weiteren Trachtenträgern der Heimatvereinigung „Oald Bensem“, gekrönten Hoheiten von der Ahr, aus Lützelsachsen, Hemsbach und Schriesheim sowie mit Repräsentanten aus Weinbau, Politik und Wirtschaft auf dem Großen Markt formiert, um - einem kleinen Festzug gleich - Kurs auf den Kurmainzer Amtshof zu nehmen.
Der Platz vor dem Winzerkeller gilt als Keimzelle des Volksfestes, das in Nachfolge der in den Dreißigern veranstalteten „Sommernächte“ sowie der 1948 und 1949 veranstalteten „Heppenheimer Bauerntage“ unter dem neuen Namen Weinmarkt 1952 Premiere feierte. Treibende Kräfte waren Philipp Knapp von der Wirtschaftsvereinigung, die Weinbauvertreter Johann Laumann und Franz Wattendorf sowie für die Stadt der damalige Bürgermeister Otto Holzamer. Seinerzeit durchaus ein Wagnis, hatte sich der Weinmarkt bald etabliert und zählt mit durchschnittlich 100 000 Besuchern inzwischen zu den großen Volksfesten in Südhessen.
Die Gründer hätten an der farbenprächtigen und dank Bürgerwehr von „Knalleffekten“ begleiteten Eröffnungszeremonie ihre helle Freude gehabt. Bürgermeister Gerhard Herbert verwies auf 540 Weinmarkttage mit 15 000 Programmpunkten und drei Millionen Besuchern in der Geschichte des Volksfestes. Dass „Oald Bensem“ am Freitagabend auch die Musik mitgebracht hatte, braucht Heppenheimer Lokalpatrioten insofern nicht zu verdrießen, als die sogenannte „Halbe-Stunden-Brücke“ am Schnittpunkt beider Städte für Winzer noch nie trennenden Charakter besaß.
„Wir feiern hier nicht den Heppenheimer, sondern den Bergsträßer Weinmarkt“, machten schon bei der Pressekonferenz Vorsitzender Otto Guthier und Geschäftsführer Edgar Hörner auf die überörtliche Ausstrahlung des Festes aufmerksam. Die Kreisstadt lädt ein und mit ihr die gesamte Region.
Der Eröffnung war im Kurfürstensaal eine Weinprobe für geladene Gäste vorausgegangen. Otto Guthier begrüßte für den Weinmarktverein, Herbert zum letzten Mal als Bürgermeister im Namen der gastgebenden Stadt. Besondere Blicke auf sich zog die an der Seite der Bergsträßer Regentin Barbara Hoock erschienene Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten aus Dernau an der Ahr.
Die Repräsentantin kam gerne an die Bergstraße, in den „Frühlingsgarten Deutschlands“, die für sie kein unbeschriebenes Blatt mehr war. Vor ihrer Wahl im Neustädter Saalbau hatte sich Mandy I. für die Fragerunde der Jury über die Besonderheiten aller deutschen Anbaugebiete kundig machen müssen. Die Hessische Bergstraße war ihr als „klein, aber fein“ bekannt. Wie an der Ahr werde viel Wein „ab Hof“ verkauft.
Beim gestrigen Praxistest mit Tropfen von der „strata montana“ würdigte die Deutsche Weinkönigin das Qualitätsbewusstsein der heimischen Winzer und ermutigte sie dazu, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren. Sichtlich begeistert zeigte sich die Hoheit auch von der anheimelnden Altstadtatmosphäre. „Hier zu feiern, muss einfach Spaß machen“, ließ sie ihre Gastgeber wissen.
Barbara I., die für alle Weinköniginnen viel Spaß beim Weinmarkt wünschte, nickte zustimmend. Bestätigung fand die Aussage, als sich die Buchten zusehends füllten. Amorados Selection im Amtshof, Anne-Mathieu-Band im Zelt sowie das Duo Vis-à-Vis an der Schloss-Schule sorgten für Stimmung. Für den Auftakt an einem Freitag war die Resonanz gut.
Mit noch mehr Betrieb darf heute Abend (25.) gerechnet werden, zumal der derzeit zur Launenhaftigkeit neigende Petrus nun wohl die Kurve bekommen und die Rückkehr der sommerlichen Witterung angekündigt hat


